Treptower Park abseits von Hafen und Insel der Jugend

Der Treptower Park ist vor allem für seinen Hafen mit der Uferpromenade und die Insel der Jugend bekannt – Ausflüge dorthin und zum nahen Plänterwald sind längst kein Geheimtipp mehr. Auch wenn sich ein Spaziergang und eine Bootsfahrt über die Spree hier absolut lohnen, kann es vor allem an sonnigen Sommerwochenenden recht voll werden. Doch der große Stadtpark hat viele reizvolle Ecken und einige davon liegen weit abseits der Besucherströme.

Spaziergang zum Sowjetischen Ehrenmal

Wenn ihr mit der S-Bahn an der Ringbahnhaltestelle „Treptower Park” ankommt, müsst ihr der Versuchung widerstehen Richtung Wasser zu laufen. Mit dem Bahnhof im Rücken folgt ihr stattdessen dem kleinen Bernhard-Langwaldt-Weg (benannt übrigens nach einem Kapitän, der 1951 bei einem Schiffsunglück hier im Hafen 80 Kinder vor dem ertrinken rettete) nach rechts und überquert an der Ampel die Puschkinallee. Direkt auf der anderen Seite seid ihr praktisch in einer anderen Welt. Obwohl dieses Areal des Parks deutlich größer ist als der Teil am Wasser, ist hier kaum jemand unterwegs. Vor allem vormittags trefft ihr dort nur auf eine paar Jogger und kleine Grüppchen, die gemeinsam Yoga machen. 

Treptower Park

Wenn ihr noch keine Pause auf einer der großen Wiesen einlegen wollt, dann spaziert am besten zum Sowjetischen Ehrenmal. Die eindrucksvolle Denkmalanlage erstreckt sich über 100.000 Quadratmeter und obwohl sie durchaus eine bedeutende Sehenswürdigkeit Berlins darstellt, könnt ihr hier darauf hoffen, dass nur wenige andere Besucher da sind. Ihr betretet die Anlage durch einen gewaltigen Triumphbogen und kommt dann zur Statue „Mutter Heimat” – eine 3 Meter hohe Frauenskulptur, die um ihre gefallenen Söhne trauert. 

Mutter Heimat im Treptower Park

Von dort laufe ich durch die Allee aus Trauerbirken, an deren Ende ihr zwei riesige rote Fahnen aus Granit seht. Hier bin ich komplett alleine und es herrscht andächtige Stille – zugegeben hin und wieder unterbrochen durch etwas Baulärm, der sich aber in Grenzen hält. Über einige Stufen gelangt ihr auf die Anhöhe direkt bei den Fahnen und erst dann überblickt ihr die wirklich imposante Anlage.

Sowjetisches Ehrenmal Berlin
Sowjetisches Ehrenmal Berlin

Entlang von 5 Rasenflächen und auf jeder Seite 8 weißen Sarkophagen führt der Weg bis zum Mausoleumshügel, auf dem die Statue eines sowjetischen Soldaten thront. Sein Schwert senkt er über ein zerschlagenes Hakenkreuz. 

Mausoleumshügel Treptower Park Berlin

Wenn ich den Jogger ausblende, der die Stufen rauf und runter rennt, bin ich auch hier alleine. Im Sockel der Statue ist ein kleiner Pavillon, der allerdings im Normalfall verschlossen ist. Durch die Gitter könnt ihr aber reinschauen und das runde Wandmosaik bewundern. Da der Tag der Befreiung am 8. Mai noch nicht lange her ist, seht ihr im Moment drinnen noch die vielen Blumen, die zum Gedenken niedergelegt wurden.

Der Karpfenteich im Treptower Park

Eigentlich seid ihr beim Mausoleumshügel nur einen Katzensprung von eurem nächsten Ziel entfernt, denn das im späten 19. Jahrhundert künstlich angelegte Gewässer liegt quasi direkt dahinter. Da das Sowjetische Ehrenmal eingezäunt ist, müsst ihr leider einen etwas größeren Bogen laufen, um hinzugelangen. Dort angekommen, könnt ihr direkt in ein kleines Microabenteuer eintauchen.

Karpfenteich im Treptower Park

Auch wenn der Berliner Karpfenteich, in dem übrigens gar keine Karpfen mehr leben, auf den ersten Blick nicht unbedingt spektakulär ist, bildet er auf jeden Fall ein schönes Fleckchen Idylle relativ zentral in der Hauptstadt.

Karpfenteich im Treptower Park

Hier könnt ihr nicht nur gemütlich rumspazieren, ihr könnt euch auch auf die abenteuerliche Suche nach einem Platz machen, der es sogar in das Buch „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss” geschafft hat: die kleine Insel im Karpfenteich, die ich ohne den Tipp niemals entdeckt hätte. Da sie relativ nah am Ufer liegt, kann man sie von der anderen Teichseite gar nicht als Insel erkennen und von den befestigten Wegen rund um den Teich ist sie ebenfalls nicht zu sehen. Man muss schon in etwa wissen, wo sie ist, oder einfach den kompletten See über den kleinen matschigen Trampelpfad direkt am Wasser umrunden. Eine kleine Orientierung bildet wohl der Ahornbaum mit der Nummer 1009. Da in der Beschreibung ein provisorischer Übergang aus mehreren dünnen Baumstämmen beschrieben wird, dachte ich, dass ich dort eine kleine Lesepause einlegen könnte. Als ich das versteckte Plätzchen und die „Brücke” nach einigem Suchen entdeckt habe, hab ich es mir allerdings erstmal anders überlegt.

Übergang zur Insel im Karpfenteich

Das war mir mit meiner Kamera dann doch etwas zu abenteuerlich, aber ich werde definitiv nochmal ohne Fotoapparat und mit Wechselklamotten wiederkommen.

Der Nök im Karpfenteich

Haltet bei eurem Ausflug rund um den Karpfenteich unbedingt auch Ausschau nach der Skulptur „Meeresgrund”, die sich im Wasser befindet. Schon seit über 100 Jahren können Spaziergänger bei ihrem Anblick der Fantasie freien Lauf lassen. Der Nök, ein Fabelwesen, das in etwa aussieht wie ein Wassermann mit großen Glubschaugen, beugt sich über eine kleine Mauer. Dahinter liegt ein nacktes Mädchen, das schläft oder vielleicht ohnmächtig ist. Heute erfreu ich mich allerdings viel mehr als an der Plastik selbst an den zwei Entenfamilien mit etwa 10 Küken, die sich rund um den Nök tummeln. 

Der Nök im Karpfenteich

Wenn ihr noch nicht genug habt, dann erweitert euren Spaziergang noch um die Archenhold-Sternwarte, die zu Fuß nur wenige Minuten entfernt ist. Die größte und älteste Volkssternwarte Deutschlands besitzt das weltweit längste bewegliche Linsenfernrohr und die Dauerausstellung im Inneren ist normalerweise kostenlos zugänglich. Da die Sternwarte momentan coronabedingt noch geschlossen ist, werde ich dort aber erst beim nächsten Besuch hingehen. Und wer das Getümmel nicht scheut, der kann sich zum Abschluss am Hafen ja noch ein Fischbrötchen mit Blick aufs Wasser und das schicke Stralau gönnen.

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