Ab ins Grüne – drei Ausflüge in Berlin mit Kindern

Stadtkinder brauchen Natur und die Möglichkeiten für Ausflüge in Berlin sind riesig. Wer direkt in der Innenstadt bleiben möchte, der findet in den vielen Parks schöne Ecken mit Spielplätzen oder Planschen, Kinderbauernhöfe oder lauschige Plätze am Wasser zum Enten füttern. Falls ihr ein bisschen Zeit habt, dann lohnen sich Touren außerhalb der City. Mit der richtigen Auswahl könnt ihr euren Trip gleich noch mit Sightseeing oder mit spannendem Umweltwissen verbinden. Hier drei Ideen, die uns in letzter Zeit viel Spaß gemacht haben.

Teufelssee und Müggelturm – Sagen, Naturlehrpfad und fantastische Aussichten

Unter Köpenickern sind die Ausflugsziele in den Müggelbergen natürlich kein Geheimtipp – aber auch Innenstädter und Berlinbesucher sollten gelegentlich mal in die Gegend fahren. Besonders belebt ist der Müggelsee, etwas ruhiger ist es am kleinen Teufelssee, der sich allerdings nicht zum Baden eignet. 

Am besten nehmt ihr am S-Bahnhof Köpenick den Bus 169 Richtung Müggelheim und steigt an der Haltestelle Rübezahl aus. Von dort sind es nur wenige Schritte bis zu einem Holztor auf dem „Lehrkabinett, Teufelssee, Müggelturm” steht. Direkt dahinter solltet ihr gleich eine Stunde Zeit für den Waldspielplatz einplanen bis die Kids genug von Drehpilz, Schaukel und Rutsche haben. Ein kleiner Schotterweg führt von dort bergab bis zu der Stelle, an der ihr auf einen Holzsteg gelangt. Dieser führt euch direkt über das Teufelsmoor und von mehreren Aussichtsplattformen mit Sitzbänken könnt ihr auf den kleinen See blicken.

Auf zahlreichen Infotafeln lernt ihr auf dem Lehrpfad rund um den See viel über die Pflanzen- und Tierwelt in dem Biotop. Kleinere Kinder sind aber oft längst schon um die nächste Ecke bevor man die ganze Texte gelesen hat. Aber allein wenn ihr vom Steg aufs Wasser schaut entdeckt ihr Libellen, Enten und sogar kleine Schlangen – das ist eigentlich schon spannend genug. Oder wer findet den den geschnitzten Holzkopf, der aus dem Moor herausragt?

Holzfigur im Teufelsmoor

Statt vor Ort die Tafeln zu studieren, könnt ihr euch auch vorab über die zahlreichen Mythen belesen, die sich rund um das geheimnisvolle Gewässer ranken. Das Buch „Der Teufelssee als mystischer Ort“ von Ernst Michael Schwarz wäre eine Möglichkeit, aber natürlich werdet ihr auch online fündig. Am bekanntesten ist sicher die Geschichte der Prinzessin, die nach einer Verwünschung samt ihrem prächtigen Schloss im Moor versank. Aber auch ein Wassermann soll hier wohnen sowie die Wendin Wanda, die hier einst eingemauert wurde und nun einmal pro Jahr aufsteigt, um nach ihrem Ehemann zu suchen … mit den Geschichten sorgt ihr eventuell für mehr Begeisterung als es mit Botanikinfos der Fall ist.

Am Ende des Steges führen etliche Stufen den kleinen Müggelberg hinauf zum Müggelturm. Wer da noch Energie hat, der kann die 150 Stufen bis zur Aussichtsplattform erklimmen und hat von dort eine tolle Sicht über den Müggelsee. Aber auch von der Terrasse des Restaurants aus überblickt ihr die schöne Landschaft und könnt nebenbei gemütlich ein Eis essen.

Müggelturm mit Restaurant

Zeitreise ins Mittelalter im Museumsdorf Düppel

Die mit öffentlichen Verkehrsmitteln von uns aus doch recht lange Anfahrt hatte mich bisher abgeschreckt, aber am ersten Wochenende mit Programm nach der Coronaschließung wollte ich nun endlich mal nach Düppel. Ich mobilisierte einen alten Schulfreund und seine zwei Töchter und es hat sich absolut gelohnt! Am besten fahrt ihr von der Innenstadt mit der S1 bis zum Mexikoplatz und nehmt von Dort den Bus 118 oder 622. Ab Haltestelle „Clauertstraße” müsst ihr noch etwa 400 Meter bis zum Eingang laufen.

Dass sich das Freilichtmuseum genau an dieser Stelle befindet ist übrigens kein Zufall – in den 60er Jahren entdeckten Wissenschaftler hier Siedlungsreste auf denen einige Jahre später das Museumsdorf errichtet wurde. Beim Bau wurden ausschließlich mittelalterliche Werkzeuge und Techniken verwendet und es entstand ein Areal, das die mittelalterliche Bau- und Lebensweise während des 13. Jahrhunderts authentisch nachbildet. Wir gehörten zu den ersten Besuchern an diesem Tag und die drei Mädels stürmten aufgeregt los. Den ersten Stopp legten sie bei der Imkerei ein, wo auch gleich ein Glas vor Ort produzierter Lindenhonig gekauft wurde.

Imkerei im Museumsdorf Düppel

Weiter ging es Richtung Dorfplatz. Das Thermometer zeigte schon fast 30 Grad an, was man dank der vielen Schatten spendenden Bäume bisher kaum bemerkte. Dann wurde erstmal eine Runde im Stroh gespielt. 

Strohspielplatz Museumsdorf Düppel

Danach betretet ihr durch eine Eichenholz-Palisade den hufeisenförmig angelegten Dorfplatz mit etlichen reetgedeckten Häusern. In jedem erfahrt ihr etwas über das Leben und Arbeiten im Mittelalter, beispielsweise über das Mahlen von Getreide.

Dorfplatz Düppel

Spannender als die Häuser fanden die Mädels die Mitmach-Stationen auf dem Dorfplatz, an denen geduldige Mitarbeiter den Besuchern den Lebensalltag der damaligen Bauern näher bringen. Wie wird Flachs gewonnen und wie entstehen daraus Fasern für Leinenstoff? Gefühlte Stunden verbrachten wir an der Webereistation. An kleinen Webrahmen können die Gäste hier hübsche Kunstwerke anfertigen. Armbänder und ein kleiner Teppich für die Puppenstube entstanden dabei – darauf sind Kinder natürlich besonders stolz.

Weben im Freilichtmuseum Düppel

Als nächstes standen mittelalterliche Spiele auf dem Programm. Wer hätte gedacht, dass man im Mittelalter bereits gekegelt hat? Die Kleinen tobten sich außerdem mit Stelzen, Hula-Hoop-Reifen, Steckenpferden und Wikingerschach eine Weile aus.

Mittelalterspiele in Düppel
Am Dorfplatz im Museumsdorf Düppel

Dann wurde in der Mitte des Dorfplatzes mit Stein, Eisen und Stroh ein Feuer angezündet und wir entscheiden uns für eine kleine Stockbrotpause, bevor wir den Rundgang fortsetzten. Dieser führt weiter zu den Wiesen und Ställen der tierischen Dorfbewohner. Ochsen, Skudden-Schafe und Weidenschweine, die speziell für das Museum zurückgezüchtet wurden, werden hier gehalten. Aber erwartet keinen Streichelzoo. Die Tiere standen abgesehen von den Ochsen ziemlich weit vom Zaun entfernt und man konnte sie leider kaum sehen. Ihr passiert noch eine Töpferei und eine Schmiede, dann seid ihr am Ende des Rundganges angekommen. 

Wir haben ziemlich genau 4 Stunden im Museum verbracht und nicht nur einiges gelernt und Spaß gehabt – auf dem Heimweg wünschte sich meine Tochter einen Webrahmen: das merke ich mir definitiv für regnerische Herbsttage!

Idylle in Marzahn –Schlosspark Biesdorf

Marzahn ist viel besser und grüner als sein Ruf. Und auch wenn es weit weg klingen mag – ab Ostkreuz erreicht ihr die Haltestelle Biesdorf mit der S5 in nur 9 Minuten. Zugegeben, den Ausflug machten wir in erster Linie für mich, aber auch meine Tochter konnte dem Trip einiges abgewinnen, denn Start- und Endpunkt bildete der Spielplatz, an dem ihr direkt am Ausgang des Bahnhofs vorbeikommt.

Spielplatz am Schlosspark Biesdorf

Nach etlichen Fahrten mit der Seilbahn und einem kleinen Piratenabenteuer geht es weiter zum Eingang des Schlossparks, der nur wenige Schritte entfernt liegt. Über eine schattige Allee, die an heißen Sommertagen wohltuend kühl ist, gelangt ihr vorbei an Lesegarten und Teehaus zum Schloss.

Allee im Schlosspark Biesdorf

Das Schloss ist eigentlich „nur” eine spätklassizistische Villa, mutet mit ihrem herrschaftlichen Treppenaufgang und dem achteckigen Turm aber durchaus majestätisch an. Es wurde 1868 errichtet und viele Jahre von der Industriellenfamilie Siemens bewohnt.

Schloss Biesdorf
Wer entdeckt den Teufel?

Vorbei am Schloss könnt ihr eine entspannte Runde durch den Park drehen. Meistens ist hier nicht sehr viel los und die kleinen Plätze wie der Fontänenteich oder der Eiskeller mit der doppelten Freitreppe warten nur darauf von euch entdeckt zu werden. Übrigens wurde die historische Anlage bereits mit dem „Green Flag Award” ausgezeichnet. Die grüne Fahne steht für offen, besucherfreundlich und sauber. Als nach unserem gemütlichen Spaziergang wieder das rote Bauwerk in Sicht kommt, freuen wir uns schon auf den Besuch des Cafés.

Schlosspark Biesdorf
Schloss Biesdorf

Obwohl dieses innen mit Parkettboden und einer jugendstilähnlichen Einrichtung wirklich einladend ist, setzten wir uns bei schönstem Sonnenschein natürlich lieber auf die schattige Terrasse. Von hier habt ihr einen schönen Blick auf den Schlosspark während ihr euch eine süße Leckerei schmecken lasst. Das Angebot reicht von hausgemachten Torten über Muffins und Cookies bis hin zu Cakepops

Café Schloss Biesdorf

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