Zwillingstürme in Berlin

Bei Zwillingstürmen dachte ich bisher normalerweise zuerst an die Petronas Towers in Kuala Lumpur oder an das zerstörte World Trade Center in New York. Berlin hatte ich dabei jedenfalls nie auf dem Schirm. Als ich dann vor einigen Wochen mal in der Pablo-Neruda-Bibliothek an der Frankfurter Allee durch das Buch „Wolkenkratzend: Berliner Hochhäuser für Kinder” von Arne Winkelmann blätterte, hatte ich einen richtigen Aha-Moment. In meiner Wahlheimat gibt es Zwillingstürme – und zwar gleich mehrere.

Die TwinTowers in Alt-Treptow

Die erste meiner heutigen Stationen liegt direkt bei mir um die Ecke. Gesehen habe ich das Gebäude natürlich schon oft und tatsächlich trägt es ja auch den Namen „TwinTowers” – große Beachtung habe ich ihm aber bisher nie geschenkt. Die Zwillingstürme liegen direkt am Wasser und sind Teil des Großprojektes Mediaspree zwischen Elsen- und Jannowitzbrücke. Hier haben sich große Unternehmen wie Coca Cola sowie Medienunternehmen in einer Mischung aus alten Industrie- und Gewerbebauten und modernen Neubauten angesiedelt. Das Konzept dieses Areals sieht eine frei zugängliche Ufernutzung sowie eine öffentliche Nutzung der Erdgeschosse der Gebäude vor. Ihr könnt also am Wasser entlang spazieren oder auch in einem der Restaurants oder Cafés mit Blick auf das Areal sitzen. Für einen besseren Blick auf die 60 Meter hohen Türme entscheide ich mich für das nördliche Spreeufer in Friedrichshain, die TwinTowers selbst stehen allerdings gegenüber am Südufer. 

Molecule Men und TwinTowers

Heute nehme ich mir einmal Zeit, um die zwei 15-geschossigen Türme genauer zu betrachten. Sie sehen vielleicht ein bisschen aus wie Schiffssegel – irgendwie kann ich dem als Büros genutzten Bau aber einfach nicht viel abgewinnen. Als Hintergrund für die Molecule Man – die 30 Meter hohe Wasserstatue von Jonathan Borofsky – gefallen sie mir allerdings ganz gut. Irgendwie charmant finde ich auch das direkt vor den Zwillingstürmen vor sich hindümpelende Wrack der „Dr. Ingrid Wrengler”. Die Schiffsruine wird allmählich von der Natur zurückerobert und gerne auch mal als Anlegestelle für Kanus und ein Feierabendbier genutzt. 

TwinTowers Berlin mit Liebesschlössern

Als ich Mediaspree Richtung Oberbaumbrücke weiterlaufe, fällt mir auf, dass die aufwendig gestaltete Verbindung zwischen Friedrichshain und Kreuzberg auch zwei Türme hat. Allerdings ist das ein Zwillingsturm, also zwei Türme oben auf einem Gebäude. Zwillingstürme hingegen sind zwei eigenständige Gebäude. Die Brücke aus dem Jahr 1896 ist trotzdem mehr als einen Blick wert – zu Fuß kann ich die Überquerung aber nicht unbedingt empfehlen. Wobei im Moment ja fast jeder einen Mund-Nasen-Schutz dabei hat …

Oberbaumbrücke Berlin
Oberbaumbrücke mit Tropical-Islands-Schiff

Von hier bringt mich die Tram M10 in wenigen Minuten zu meinem nächsten Ziel.

Die Kuppeltürme am Frankfurter Tor

Wo sich heute die Frankfurter Allee und die Karl-Marx-Allee treffen, wurde ab 1949 die „Stalinallee” errichtet, die von hier bis zum Alexanderplatz reichte. Die einstige Prachtstraße der DDR ist 90 Meter breit und mit ihren Monumentalbauten im sowjetischen Stil immer noch imposant. Und direkt am Beginn des ehemals prestigeträchtigen Boulevards stehen die nächsten Zwillingstürme meiner Liste. 

Kuppeltürme am Frankfurter Tor

Wenn ihr euch in den Mittelstreifen auf der Frankfurter Allee stellt, habt ihr zwischen den Türmen eine Sichtachse bis zum Fernsehturm. Allerdings wird der Blick durch den Schilder- und Ampelwald ein wenig getrübt. Gleich viel schöner wird der Anblick des Nord- und Südturms, wenn ihr die Petersburger Straße ein Stückchen Richtung Bersarinplatz hochlauft und die beiden Türme mit ihren grünen Kuppeln durch dichte Baumkronen bewundert. 

Wer etwas vom Innenleben sehen möchte, muss sich mit der aus einem Raum bestehenden „Galerie im Turm” im Erdgeschoss der Hausnummer 1 begnügen. Dort werden überwiegend Einzelausstellungen zeitgenössischer lokaler Künstler gezeigt. Weiter ins Innere und vor allem höher kommt man nur, wenn man es sich leisten kann, die ziemlich exklusive Eventlocation „Lounge im Turm” zu mieten. Die Aussicht von oben stelle ich mir wirklich grandios vor. 

Man muss übrigens kein Stilexperte zu sein, um zu sehen, dass die zierlichen Kuppeln irgendwie nicht zu den Arbeiterpalästen und anderen klobigen Bauten der Stalinallee passen. Sie sind filigran und eindeutig barock. Zwar habe ich es später auch noch in einem Zeitungsartikel gelesen, aber ich bin wirklich selbst darauf gekommen – sie erinnern auffällig an die Türme am Gendarmenmarkt. Ein weiterer Aha-Moment. Die dortigen Zwillingstürme wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört mit diesen neuen Kuppeln sollten sie den Berlinern in Erinnerung bleiben. Also beschloss ich, einen weiteren Abstecher zu machen. Ich fuhr von hier mit der U5 zum Alexanderplatz und schlenderte von dort zu Fuß weiter.

Die Zwillingsdome am Gendarmenmarkt

Ein Spaziergang durch Mitte hat mir schon lange nicht so viel Spaß gemacht wie heute. Wo sich sonst rund um Pfingsten die Touristen auf die Füße treten, war so gut wie niemand unterwegs. In den Nebenstraßen fuhren zudem auch quasi keine Autos und ich konnte mich sogar auf die Straße stellen, um Fotos zu schießen. Schade nur, dass das Wetter immer schlechter wurde und dichte Wolken den Himmel trübten. 

Gendarmenmarkt Berlin

Zu Recht gilt der Gendarmenmarkt als einer der schönsten Platz Berlins – das Ensemble aus Konzerthaus in der Mitte und den flankierenden Türmen zu beiden Seiten ist wirklich schick. Der Platz entstand Ende des 18. Jahrhunderts, als sich französische Protestanten (die Hugenotten) in dem Viertel ansiedelten. Seinen heutigen Namen bekam er im Jahr 1799. Der Französische und der Deutsche Dom sind übrigens keine Kirchen. Die Bezeichnung Dom stammt von dem französischen Wort für Kuppel – dôme. 

Französischer Dom Berlin

Der Französische Dom verfügt zwar über eine Aussichtsplattform, leider ist diese im Moment nicht zugänglich, da sie ebenso wie das dortige Hugenottenmuseum seit 2017 saniert wird. Kostenlos zugänglich ist dafür der Deutsche Dom mit einer Ausstellung zum Thema parlamentarische Demokratie in Deutschland. Rund um den Platz gibt es etliche Restaurants. Die meisten sind nicht ganz günstig, aber zumindest eine Kaffeepause kann ich euch hier mit Blick auf das Bauensemble nur empfehlen. 

Deutscher Dom Berlin

Auch die letzte Etappe ist gut zu Fuß zu meistern, bis zum Potsdamer Platz braucht ihr etwa 15 Minuten. 

Die Zwillingstürme am Potsdamer Platz

Der Potsdamer Platz spaltet die Gemüter – für mich persönlich gehört er auch nicht zu den Lieblingsorten Berlins. Und tatsächlich sind auch die Zwillingstürme genau genommen nur Fake-Zwillinge. Sie sehen auf den ersten Blick zwar relativ identisch aus und bilden eine Art Tor, allerdings stammen sie von unterschiedlichen Architekten.

Potsdamer Platz

Das linke entstand in den Jahren 2001-2004 und gehört zum sogenannten Beisheim Center – mehrere Bauten, die ein ganzes Quartier bilden. In dem 70m hohen Turm befinden sich das Ritz-Carlton Hotel Berlin und in den obersten Stockwerken einige Apartments. Das rechte P5 genannte Hochhaus ist mit 65,4 Metern einen Tick kleiner und wurde im Jahr 2003 fertiggestellt. Beide sollen an den Stil der Hochhausbauten im frühen 20. Jahrhundert erinnern.

Die Liste der Zwillingstürme in Berlin wird in den nächsten Jahren übrigens weiter wachsen: bereits weit im Bau fortgeschritten sind die zwei Wohntürme Max und Moritz in Friedrichshain, die ihr von der S-Bahn aus sehen könnt, wenn ihr am Ostbahnhof vorbeifahrt. Am Alexanderplatz hingegen bekommt der Hotelturm des Park Inn bis 2022 einen gleich hohen Nachbarn.

Lost im Grunewald

Es war als Rundumschlag durch den Grunewald geplant, mit allem Drum und Dran. Von der Aussicht vom Grunewaldturm über Schwanenwerder bis zum Strandbad Wannsee – aber es kam anders. Ich konnte meine Freundin Kate glücklicherweise gleich für den Trip begeistern, denn sie wollte schon immer mal den Waldfriedhof sehen, wo die legendäre Velvet-Underground-Sängerin Nico begraben liegt. Ich hatte noch nie von dem Ort gehört und war sofort dabei – eine Station mehr, warum nicht? 

Vom Schildhorn ins Dickicht

Wir trafen uns an der Ringbahn und nahmen ab Messe Nord/ICC den „historischen Omnibus“. Die Ausflugslinie 218 führt von dort entlang zahlreicher Sehenswürdigkeiten und Einkehrmöglichkeiten bis hin zur Pfaueninsel – aber Achtung: unter der Woche fährt die Linie nur einmal die Stunde. Wir stiegen an der Haltestelle „Schildhorn” aus und liefen erstmal blauäugig drauflos. Vorbei an einem abenteuerlichen Waldspielplatz kommt dort dann auch schon das Wasser in Sicht. Eigentlich dachten wir, dass wir hier direkt ein wegweisendes Friedhofsschild sehen würden, stattdessen zeigt ein Wegmarke an, dass sich hier in der Nähe das Jaczo-Denkmal befindet. 

Wegweiser Jaczo-Denkmal

Wir fragten eine nette Dame auf einer Bank nach dem Weg. Sie überlegte ziemlich lange und meinte, dass sie dort auch schon immer einmal hinwollte. Fast will ich sie einladen mitzukommen, konnte ja nicht weit sein. Wir folgen also ihrer Beschreibung, aber nach etwa einer halben Stunde wurden wir skeptisch. Im Empfinden zweier Großstädter waren wir schon lange unterwegs und außer dem Förster im Auto hatte niemand mehr unseren Weg gekreuzt. Da freuten wir uns richtig über die 4 Radfahrer, die uns entgegen kamen. Der Mann lachte als wir sagten, dass wir schon ewig laufen und niemandem begegnet sind. Am Wochenende soll es hier anders aussehen. Das Grüppchen war auch noch nie auf dem Friedhof, aber die Richtung schien noch zu stimmen. Als wir nach einer Weile auf die Havelchausse trafen, zeigte uns ein verwittertes und kaum lesbares Schild den Weg zum Friedhof. Wir staunten nicht schlecht, denn direkt an dem Schild ist die nächste Haltestelle der Linie 218: “Havelweg”. 

Wegweiser Waldfriedhof Grunewald

Wir liefen weiter und kamen an verschiedenen Gabelungen noch an zwei weiteren Wegweisern vorbei. An der entscheidenden Stelle war allerdings keines – oder wir haben einfach zu viel gequatscht und eine falsche Abzweigung genommen. Die Wege wurden immer kleiner, teilweise waren es nur noch Trampelpfade, die von Spuren ganzer Wildschweinrotten gesäumt wurden.

Etwas unheimlich und vermutlich kam Kate darum auf den Film „Friedhof der Kuscheltiere”. Wir gehören zur Generation Stephen King, die viel zu früh schaudernd vor den Filmen saß und einzelne Szenen wohl einfach nie wieder vergessen wird. Wir erzählten von unseren Horror-Erfahrungen und ich meinte: “Stell dir vor, dahinten an dem Pfad würde ein Clown mit rotem Ballon stehen”. Bam! “Oh Gott, WARUM sagst du sowas?”. Wir versuchten auf andere Gedanken zu kommen und bewunderten die schönen Blumen am Wegesrand.

Fingerhut im Grunewald

Irgendwann war endgültig klar – wir sind auf keinen Fall richtig. Wir gingen zurück zur letzten Weggabelung und nahmen einen anderen Pfad … dann entschlossen wir uns, dass wir umkehren. Inzwischen liefen wir schon weit über 2 Stunden und auch wenn es unglaubwürdig klingt: direkt als ich sagte “ok, geben wir auf” sah ich im Dickicht ein Stück Mauer dem wir folgten bis wir tatsächlich am leicht verwitterten Eingangstor des Friedhofs standen. 

Die Tür knarrte laut beim Öffnen und dann hatten wir es doch noch geschafft. Das Areal ist klein, nur etwa hundert Gräber befinden sich hier. Keine wöchentlich gepflegten Gräber, alles ist überwuchert und wie in einem märchenhaften Dornröschenschlaf. Viele Gräber stammen aus dem Jahr 1945, nur wenige sind neueren Datums. Ich blieb lange an dem kleinen Grab eines Sternenkindes stehen. Nicht nur den kleinen Stein zieren lauter Sterne, auch aus der Erde drumherum ragen Stangen mit Sternen heraus. Mir steckte ein dicker Kloß im Hals. Dann machten wir uns auf die Suche nach dem Promigrab des Friedhofs, das wir in der drittletzten Reihe fanden. Ein regelrechter Schrein wurde für die Ikone Nico alias Christa Päffgen dort errichtet. Fotos, Sonnenbrille, Schmuck und Briefe haben die Fans der Ikone mit der wechselvollen Geschichte dort für sie abgelegt. In dem Metallkorb, in dem sich auf anderen Friedhöfen verwelkte Blumen stapeln sahen wir eine einsame Sektflaschen auf dem Boden stehen. Wir waren offensichtlich nicht die einzigen, die ihr über 30 Jahre nach ihrem Tod noch einen Besuch abstatteten.

Auch wenn ihr in anderen Blogs und Zeitungsartikeln Fotos finden könnt, ich verzichte lieber darauf. Eine Veröffentlichung wird durch die Friedhofsordnung untersagt und irgendwie gehört es auch nicht ins Internet.

Die Geschichte des Friedhofs Grunewald-Forst

Der Ort hatte mich nachhaltig fasziniert und zu Hause saugte ich sämtliche Infos darüber gebannt auf. Errichtet wurde er im 19. Jahrhundert als Selbstmörderfriedhof. Unglückliche, die sich in der Havel ertränkt hatten, wurden häufig an einer kleinen Bucht am Schildhorn angetrieben. Sie durften damals nicht auf geweihtem Boden beerdigt werden und die Forstverwaltung musste sich um das „Problem” kümmern. 1878 legte diese dann den Friedhof an, der sich schnell herumsprach und auch aus der nahen Stadt brachten Menschen ihre „Todsünder” für ihre letzte Ruhe hierher. Um ihrer Familie den Aufwand und die Schande zu ersparen brachten sich in den Folgejahren wohl auch viele direkt in der Nähe des Friedhofs um. Schwangere Dienstmädchen sollen ebenso hier bestattet worden sein wie fünf zarentreue Russen, die sich nach der Revolution in der Havel ertränkten. 

Obwohl es wirklich schaurig klingt, war der Friedhof deutschlandweit wohl lange Zeit der einzige, der Selbstmördern und namenlosen Toten ein würdiges Begräbnis ermöglichte und das allein macht ihn zu etwas Besonderem. Seit 1920 dürfen auch kirchenunabhängige Friedhöfe betrieben werden und das Fleckchen im Grunewald wurde mit einer Mauer versehen und ab 1927 auch für andere Verstorbene genutzt. Allerdings war er zunächst nicht sehr beliebt – vermutlich war es genau die tragische Geschichte, die Nico dazu veranlasst hat, diesen Ort für sich und ihre Mutter auszuwählen. 2018 wurden hier die letzten 3 Bestattungen durchgeführt und es ist geplant, dass der Ort 20 Jahre später eingeebnet werden soll. Nach jetzigem Stand habt ihr also noch bis 2038 Zeit für einen Besuch

Waldfriedhof Grunewald

Vom Friedhof zum Grunewaldturm

Zurück an der Straße hatten wir den Bus gerade verpasst und liefen von Hunger getrieben weiter bis zum Grunewaldturm.

Den Aufstieg auf die Aussichtsplattform sparten wir uns. Das Handy zeigte inzwischen einen 12-Kilometermarsch an und da schmeckten die Brezel und der Kartoffelsalat trotz Touripreisen einfach himmlisch! Der Biergarten war fast leer und wir hingen noch ein bisschen unserer verrückten Tour nach – den Turm und den ganzen Rest machen wir dann beim nächsten Mal. Ein unerwartetes Abenteuer ist doch eigentlich eh immer das beste.

Biotope, Industriekultur und Geschichte: Spaziergang in Rummelsburg

Ich starte meinen Ausflug am Paul-und-Paula-Ufer mit Blick über die Rummelsburger Bucht mit ihren unzähligen kleinen Hausbooten und der „Liebesbank”. Die eigentlich unscheinbare Sitzgelegenheit diente einst als Kulisse für eine Liebesszene in dem DDR-Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula”. Zur Einweihung des Ufers saßen am 1. Mai 1998 die Hauptdarsteller Angelica Domröse und Winfried Glatzeder erneut auf eben dieser Bank. 

Liebesbank in der Rummelsburger Bucht

Nur wenige Schritte weiter bildet die Erlebnisbar RummelsBucht mit ihrem selbst gezimmerten Außenbereich eine alternative Oase, wo ihr entspannt etwas essen oder trinken könnt. Leider müsst ihr euch vermutlich noch diesen Sommer zu einem Besuch entschließen, denn der Kulturbiergarten muss voraussichtlich im Herbst einem umstrittenen Großprojekt weichen. Zwischen See und Ostkreuz wird demnächst auf der dortigen Brache ein riesiges Aquarium entstehen – das Coral World.

RummelsBucht

Schräg gegenüber vermietet das „Ahoi Ostkreuz” Kajaks und fröhlich bunte Tretboote mit denen ihr gemütlich über die Rummelsburger Bucht schippern und euch die Hausbootburgen von näherem ansehen könnt. Das berühmte pinke Flamingo-Boot gibt es übrigens leider nicht mehr.

Ahoi Ostkreuz

Von der Zillepromenade zu den Knabenhäusern

Nach dem noch alternativen Teil gelangt ihr auf die Zillepromenade, die ihr mit Blick auf die Halbinsel Stralau und den dortigen Palmkernölspeicher direkt am Wasser entlang spaziert. Hinter dem Bootsclub Rummelsburg e.V. endet die Uferpromenade und der für meinen Geschmack deutlich schönere Teil der Strecke beginnt, auch wenn ihr dann erstmal keine Aussicht auf das Wasser mehr habt. Hier befinden sich fast urwaldähnliche Uferbiotope, die vielen Tierarten Schutz und Lebensraum bieten. Während ihr im Schatten der hohen Bäume weiter schlendert begleiten euch lautes Vogelgezwitscher und Froschkonzerte. 

Blick von Rummelsburg auf den Palmkernölspeicher

Ein Schild markiert die erste historische Sehenswürdigkeit des Ausflugs – die Knabenhäuser des Friedrichs-Waisenhauses. Die Anlage entstand in den Jahren 1854 bis 1859 und diente der Unterbringung von bis zu 500 Kindern. Das Areal bestand aus zahlreichen Gebäuden, allerdings wurden die meisten 1943-1944 zerstört. Die beiden erhalten gebliebenen Bauten wurden zunächst bis 1953 weiter als Waisenhaus und später unter anderem als Kaserne genutzt. 2004 erfolgten dann die Sanierung und die Umwandlung in Wohnhäuser. 

Direkt südlich der Knabenhäuser sorgt der 24-Stunden-Anleger für einen öffentlichen Zugang zum Wasser. Die kleine Liegewiese eignet sich perfekt für eine erholsame Pause mit Blick auf die Bucht. Nebenan geht dann das Uferbiotop weiter – übrigens ist hier nicht nur das Röhricht als geschützter Lebensraum für Tiere vorhanden. Links von euch wurden in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Berlin blüht auf” etliche Wiesen mit Wildblumen für Bienen und andere Insekten angelegt.

Bienenwiese in Rummelsburg

Wenn ihr am Gedenkort Rummelsburg angekommen seid, empfehle ich euch erstmal auf die Aussichtsplattform zu steigen, die direkt über dem Schilf bis ans Wasser reicht. Von dort seht ihr die kleine Liebesinsel, auf der sich bis zum Zweiten Weltkrieg ein Ausflugslokal befand, das Event- und Restaurantschiff Gode Wind sowie am Horizont das Riesenrad des ehemaligen Spreeparks.

Rummelsburger Bucht mit Gode Wind

Der Gedenkort Rummelsburg – vom Gefängnis zur Wohnidylle

Wer nicht nur einen Rundgang über das Areal machen, sondern auch detaillierte Infos zur Geschichte des Ortes möchte, dem kann ich die App „Gedenkort Rummelsburg” empfehlen. Vor Ort könnt ihr einfach den QR-Code scannen und euch für die Besichtigung 1 bis 2 Stunden Zeit nehmen. Es gibt einen Audioguide, der euch über das Gelände führt, Biografien von Insassen, Zeitzeugen-Videos, Vorher-Nachher-Bilder und einiges mehr. 

Aber auch wer kein Smartphone dabei hat kann in der 2015 eröffneten Open-Air-Ausstellung einiges über den Ort und viele seiner ehemaligen Häftlinge erfahren. Hierfür wurden etliche Stelen aufgestellt, die über Geschichte und Schicksale berichten. 

1879 wurde die Anlage von der Stadt Berlin eröffnet. Zunächst wurden hier überwiegend Obdachlose, Bettler und Prostituierte untergebracht und zur Arbeit auf Feldern oder in einer Tretmühle gezwungen. Zwischen 1933 und 1945 befand sich hier eine kommunale Sammelanstaltalt für sogenannte “Asoziale” und auch Euthanasiemorde wurden hier durchgeführt. In der DDR wurden die Gebäude dann als Männergefängnis genutzt, in dem auch viele politische Häftlinge einsaßen. Zu den berühmtesten Insassen gehören übrigens Erich Honecker und Stasichef Erich Mielke.

Gedenkort Rummelsburg mit Lazarett

Wenn man heute hier entlang läuft kann man sich die Schrecken, die dieser Ort erlebt hat, kaum noch vorstellen. Die ehemaligen Zellentrakte wurden vor einigen Jahren zu Wohnhäusern umgebaut. Sie ergeben mit ihrem hellen Backstein und den dunkelbraunen Fenstern ein einheitliches Bild, das vor allem durch die nachträglich angebrachten und liebevoll gestalteten Balkone und Vorgärten richtig idyllisch wirkt. 

Wohnhäuser Gedenkort Rummelsburg
Vorgarten Gedenkort Rummelsburg

Am nächsten am Wasser hin gelegen ist das einstige Krankenhaus der Haftanstalt. Hier betrieben die Besitzer bis 2018 ein kleines Hotel. Dort konnten Gäste in ehemaligen Zellen auf 2 x 4 Metern übernachten. „Das andere Haus VIII” wurde leider aus Altersgründen geschlossen, auf der Homepage des Hotels könnt ihr aber noch Bilder der Innengestaltung sehen. 

Das andere Haus VIII

Habt ihr die Gedenkstätte passiert seid ihr fast am Ende des Spazierganges angekommen. Zum hier vor Anker liegenden Bar- und Eventschiff Gode Wind, das vor seiner Nutzung als Hauptstadtkogge als Kulisse für eine Störtebeker-Produktion diente, hat man außerhalb der Öffnungszeiten leider keinen Zugang. Einen Blick auf seine Masten und Segel könnt ihr allerdings erhaschen oder ihr mietet ein Tretboot und schippert direkt daran vorbei.

Gode Wind vom Wasser aus
Restaurantschiff Gode Wind

Wer sportlich ambitioniert ist, der geht hier in der Boulderhalle Ostbloc noch eine Runde klettern bevor er den Rückweg antritt. 

Auf den Spuren der Industriekultur

Solltet ihr euch für Industriekultur interessieren, dann lest euch die Infotafel des Historischen Lehrpfades in der Rummelsburger Bucht durch. Dort erfahrt ihr Spannendes über den dortigen Industriepark Klingenberg von dem noch mehrere Gebäude erhalten sind und unter Denkmalschutz stehen. Hier wurde übrigens Modegeschichte geschrieben: 1938 erfand Paul Schlack in der Anlage Perlon, das auch als Nazi-Nylon gilt. Das Konkurrenzprodukt zur amerikanischen Variante wurde nämlich zunächst nicht für Damenstrümpfe, sondern für Fallschirme, Hochdruckschläuche für Flugzeugreifen und andere Produkte für die Wehrmacht verwendet. Erst in den frühen 50er Jahren hielt der schwitzige Stoff Einzug in die damalige Kleidungsproduktion. 

Industriepark Klingenberg in Rummelsburg

Am Rand des Geländes befand sich früher das Städtische Flußbad Lichtenberg – neben dem Strandbad Wannsee eines der damals größten Berlins. An dem großen Sandstrand tummelten sich zwischen 1927 und 1950 wohl bis zu 10.000 Gäste pro Tag. Ich wünschte, das gäbe es noch. Ins Wasser würde ich hier sicher nicht gehen, aber am Strand liegen wäre jetzt ein schöner Abschluss.

Die Halbinsel Stralau – Fischerdorf, Industriestandort und Nobelkiez

Während meiner zweiten Elternzeit entdeckte ich die nahe Halbinsel Stralau als kleines Idyll, eine völlig andere Welt, in die man direkt nach Unterquerung der Brücke eintaucht. Leider hat die massive Bebauung der letzten Jahre dem Charme des Eilands einen ziemlichen Abbruch getan, dennoch kann ich einen Ausflug noch empfehlen, denn es gibt wirklich einiges zu entdecken. 

Historische Pfade auf Stralau entlang der Spree

Direkt, wenn ihr die Gleise der Ringbahn unterquert habt, beginnt der Historische Lehrpfad über Stralau mit seinen insgesamt 9 Infotafeln. Die erste erzählt die Geschichte der dortigen Teppichfabrik. Mit ihrer Gründung 1885 war sie der erste von später zahlreichen Industriebauten auf der einstigen Fischerinsel. Im Moment ist dort allerdings eine riesige Baustelle, denn das in den letzten Jahren recht verfallene Baudenkmal wird saniert. Es entstehen – Überraschung – Luxuswohnungen. Wo ihr hinter der Baustelle ans Ufer gelangt, wird der Weg von kastenförmigen Neubauten mit viel Glas und umso weniger Persönlichkeit gesäumt. Zum Glück ist der Blick auf die andere Spreeseite umso schöner. Verschlafen liegen dort die Ausflugsdampfer im Treptower Hafen und dahinter erstreckt sich der weitläufige Treptower Park.

Treptower Hafen Berlin

Nach einem kurzen Spaziergang am Uferweg entlang, reihen sich viele bunte Steinchen an einer kleinen Brüstung auf – die Kinder der Insel haben diese während des Corona-Lockdowns als Zeichen der Hoffnung bemalt oder mit Sprüchen versehen und hier abgelegt. Eine süße Idee, die ich inzwischen an vielen Orten in der Stadt gesehen habe – vielleicht bleibt das kleine Kunstwerk ja erhalten.

Coronasteine auf Stralau

Direkt hier findet ihr links das Karl-Marx-Denkmal. Es erinnert sowohl an die Zeit 1837, als der Philosoph einen Sommer lang auf Stralau lebte, als auch an den großen Streik der Glasarbeiter 1901. Die Angestellten der damaligen Stralauer Flaschenfabrik lebten dort in Werkswohnungen, den Hüttenhäusern, und engagierten sich – inspiriert durch Karl Marx – politisch. 1897 zog dann sogar der „Zentralverband der Glasarbeiter Deutschlands” hierher und organisierte den Streik, der allerdings scheiterte. Große Teile der Fabrik wurden 1945 zerstört, doch das Werkstattgebäude blieb teilweise erhalten und wurde in den letzten Jahren aufwendig saniert. Wer hätte gedacht, dass in dem einstigen Fischerdörfchen schon so viel passiert ist!

Karl-Marx-Denkmal auf Stralau
Karl-Marx-Denkmal auf Stralau

Von hier begebe ich mich auf die Suche nach dem etwas weniger bekannten Stralauer Schlüsselbaum. Eine riesige Platane, in der ein sagenumwobener alter Schlüssel in einem Metallring hängt. Ich hab wirklich lange mit Karten und Beschreibungen gesucht – leider erfolglos. Ich habe den Baum zwar gefunden und auch einen aufgebogenen Metallhaken, der Schlüssel war aber leider weg. Wie ich später im Internet recherchiert habe, muss dieser bereits vor mehreren Jahren gestohlen worden sein. Wirklich schade! Ein anderer enttäuschter Besucher hat zwar für Ersatz gesorgt und einen neuen kleinen Schlüssel im Baum versteckt – das ist für den alten Schlüssel, von dem unter anderem vermutet wurde, dass er zu einer hier versenkten Schatztruhe gehört, nur ein schwacher Trost.

Neuer Schlüssel im Stralauer Schlüsselbaum

Ab hier wird es zunehmend idyllischer auf der Halbinsel und zu den Infotafeln zu historischen Ereignissen und Monumenten gesellen sich etliche Tafeln, die der NABU Berlin aufgestellt hat. Diese informieren beispielsweise über Naturdenkmale und tierische Bewohner wie Vögel. Ihr passiert den blauen Werftkran aus dem Jahr 1933 

Werftkran auf Stralau in Berlin

und gelangt dann an eine Wiese, die direkt an den Friedhof mit seiner mittelalterlichen Dorfkirche grenzt. Spannender als das Gotteshaus mit seinem weißen Turm finde ich allerdings die leicht verwitterte Kapelle, die durch ihren neugotischen Stil viel älter wirkt als die Kirche. Gebaut wurde sie allerdings erst 1912. 

Kapelle Friedhof Stralau

Jetzt seid ihr fast am Ende Stralaus angekommen. Hier gibt es lauschige Plätzchen am Ufer, wo ihr eine Pause einplanen solltet. Mit Blick Richtung Treptow könnt ihr von dort die Insel der Jugend und das inzwischen insolvente Traditionslokal Eierschale Zenner bewundern. Bis 2016 konnte man dabei regelmäßig ein knallrotes Wasserflugzeug starten und landen sehen, aufgrund der vielen Ausflugsboote hier wurden die Flüge allerdings eingestellt. 

Ufer Stralau

Die Halbinsel Stralau entlang der Rummelsburger Bucht

Sobald ihr die Spitze umrundet, lauft ihr nicht mehr an der Spree, sondern an der Rummelsburger Bucht entlang mit Blick auf die kleinen Inselchen Kratzbruch und Entenwerder, wo sich heute Otter und Biber angesiedelt haben. Entenwerder ist bekannter als Liebesinsel, dort befand sich bis zum Zweiten Weltkrieg sogar ein beliebtes Ausflugslokal. 

Liebesinsel Berlin

Das kleine Fleckchen wurde nicht nur bei Theodor Fontane erwähnt, sondern einst auch von Paul Lincke besungen. Spannender als die beiden Inseln finde ich allerdings die vielen selbstgebauten Hausboote, die sich hier und in der gesamten Bucht tummeln. Auf der Internetseite der Spreepublik könnt ihr einige der schwimmenden Kunstwerke kennenlernen. Sie tragen fantasievolle Namen wie „Wackelberry“, „Eroberung des Unwahrscheinlichen“, „Rockfisch“ oder „Panther Ray“.

Steg Stralau

Etwas weiter die Bucht hinunter haben sich einige sogar zu einer dauerhaften, schwimmenden Festung zusammengebunden über der eine Piratenflagge weht. Immer wenn ich hier vorbeilaufe, muss ich irgendwie an den Film “Waterworld” denken. 

Hausbootinsel in der Rummelsburger Bucht

Vom Palmkernölspeicher zur Liebesbank

Kurz darauf fällt der alte Palmkernölspeicher aus dem Jahr 1883 ins Auge. Seit seiner Restaurierung ein ganz schmucker Blickfang und ich muss zugeben, dass ich ein bisschen neidisch auf die Person bin, die auf einem der wenigen Balkone in der Sonne liegt. Mit den Rohstoffen aus den deutschen Kolonien in Westafrika entstand hier übrigens einst ein Pflanzenöl, das als Grundprodukt für Margarineherstellung diente.

Historischer Palmkernölspeicher Stralau, Berlin

Ich stehe eine ganze Weile verträumt vor dem alten Speicher, bevor ich mich umdrehe und dann direkt auf den Kulturkahn Paula blicke – eine schöne Kiezoase mit vielfältigem Angebot. Gerade starten dort wieder Yoga- und Pilateskurse, die an Deck stattfinden.  

Kulturkahn Paula in der Rummelsburger Bucht

Wenige Schritte später endet das Idyll und ihr steht an einer weiteren riesigen Baustelle. Wer hier immer noch Lust auf mehr hat, der biegt nach rechts in den Uferweg mit dem niedlichen Namen Paul-und-Paula-Ufer ein. Hier wurden Teile des DDR-Klassikers „Die Legende von Paul und Paula” gedreht und eingefleischte Fans können sich dort auf der Liebesbank aus einer der Filmszenen ausruhen. 

Liebesbank Rummelsburger Bucht

Und wo wir schonmal beim Thema Film sind: glaubt es oder nicht – an mir ist auf Stralau schon dreimal Matthias Schweighöfer vorbeigejoggt. 

Treptower Park abseits von Hafen und Insel der Jugend

Der Treptower Park ist vor allem für seinen Hafen mit der Uferpromenade und die Insel der Jugend bekannt – Ausflüge dorthin und zum nahen Plänterwald sind längst kein Geheimtipp mehr. Auch wenn sich ein Spaziergang und eine Bootsfahrt über die Spree hier absolut lohnen, kann es vor allem an sonnigen Sommerwochenenden recht voll werden. Doch der große Stadtpark hat viele reizvolle Ecken und einige davon liegen weit abseits der Besucherströme.

Spaziergang zum Sowjetischen Ehrenmal

Wenn ihr mit der S-Bahn an der Ringbahnhaltestelle „Treptower Park” ankommt, müsst ihr der Versuchung widerstehen Richtung Wasser zu laufen. Mit dem Bahnhof im Rücken folgt ihr stattdessen dem kleinen Bernhard-Langwaldt-Weg (benannt übrigens nach einem Kapitän, der 1951 bei einem Schiffsunglück hier im Hafen 80 Kinder vor dem ertrinken rettete) nach rechts und überquert an der Ampel die Puschkinallee. Direkt auf der anderen Seite seid ihr praktisch in einer anderen Welt. Obwohl dieses Areal des Parks deutlich größer ist als der Teil am Wasser, ist hier kaum jemand unterwegs. Vor allem vormittags trefft ihr dort nur auf eine paar Jogger und kleine Grüppchen, die gemeinsam Yoga machen. 

Treptower Park

Wenn ihr noch keine Pause auf einer der großen Wiesen einlegen wollt, dann spaziert am besten zum Sowjetischen Ehrenmal. Die eindrucksvolle Denkmalanlage erstreckt sich über 100.000 Quadratmeter und obwohl sie durchaus eine bedeutende Sehenswürdigkeit Berlins darstellt, könnt ihr hier darauf hoffen, dass nur wenige andere Besucher da sind. Ihr betretet die Anlage durch einen gewaltigen Triumphbogen und kommt dann zur Statue „Mutter Heimat” – eine 3 Meter hohe Frauenskulptur, die um ihre gefallenen Söhne trauert. 

Mutter Heimat im Treptower Park

Von dort laufe ich durch die Allee aus Trauerbirken, an deren Ende ihr zwei riesige rote Fahnen aus Granit seht. Hier bin ich komplett alleine und es herrscht andächtige Stille – zugegeben hin und wieder unterbrochen durch etwas Baulärm, der sich aber in Grenzen hält. Über einige Stufen gelangt ihr auf die Anhöhe direkt bei den Fahnen und erst dann überblickt ihr die wirklich imposante Anlage.

Sowjetisches Ehrenmal Berlin
Sowjetisches Ehrenmal Berlin

Entlang von 5 Rasenflächen und auf jeder Seite 8 weißen Sarkophagen führt der Weg bis zum Mausoleumshügel, auf dem die Statue eines sowjetischen Soldaten thront. Sein Schwert senkt er über ein zerschlagenes Hakenkreuz. 

Mausoleumshügel Treptower Park Berlin

Wenn ich den Jogger ausblende, der die Stufen rauf und runter rennt, bin ich auch hier alleine. Im Sockel der Statue ist ein kleiner Pavillon, der allerdings im Normalfall verschlossen ist. Durch die Gitter könnt ihr aber reinschauen und das runde Wandmosaik bewundern. Da der Tag der Befreiung am 8. Mai noch nicht lange her ist, seht ihr im Moment drinnen noch die vielen Blumen, die zum Gedenken niedergelegt wurden.

Der Karpfenteich im Treptower Park

Eigentlich seid ihr beim Mausoleumshügel nur einen Katzensprung von eurem nächsten Ziel entfernt, denn das im späten 19. Jahrhundert künstlich angelegte Gewässer liegt quasi direkt dahinter. Da das Sowjetische Ehrenmal eingezäunt ist, müsst ihr leider einen etwas größeren Bogen laufen, um hinzugelangen. Dort angekommen, könnt ihr direkt in ein kleines Microabenteuer eintauchen.

Karpfenteich im Treptower Park

Auch wenn der Berliner Karpfenteich, in dem übrigens gar keine Karpfen mehr leben, auf den ersten Blick nicht unbedingt spektakulär ist, bildet er auf jeden Fall ein schönes Fleckchen Idylle relativ zentral in der Hauptstadt.

Karpfenteich im Treptower Park

Hier könnt ihr nicht nur gemütlich rumspazieren, ihr könnt euch auch auf die abenteuerliche Suche nach einem Platz machen, der es sogar in das Buch „111 Orte in Berlin, die man gesehen haben muss” geschafft hat: die kleine Insel im Karpfenteich, die ich ohne den Tipp niemals entdeckt hätte. Da sie relativ nah am Ufer liegt, kann man sie von der anderen Teichseite gar nicht als Insel erkennen und von den befestigten Wegen rund um den Teich ist sie ebenfalls nicht zu sehen. Man muss schon in etwa wissen, wo sie ist, oder einfach den kompletten See über den kleinen matschigen Trampelpfad direkt am Wasser umrunden. Eine kleine Orientierung bildet wohl der Ahornbaum mit der Nummer 1009. Da in der Beschreibung ein provisorischer Übergang aus mehreren dünnen Baumstämmen beschrieben wird, dachte ich, dass ich dort eine kleine Lesepause einlegen könnte. Als ich das versteckte Plätzchen und die „Brücke” nach einigem Suchen entdeckt habe, hab ich es mir allerdings erstmal anders überlegt.

Übergang zur Insel im Karpfenteich

Das war mir mit meiner Kamera dann doch etwas zu abenteuerlich, aber ich werde definitiv nochmal ohne Fotoapparat und mit Wechselklamotten wiederkommen.

Der Nök im Karpfenteich

Haltet bei eurem Ausflug rund um den Karpfenteich unbedingt auch Ausschau nach der Skulptur „Meeresgrund”, die sich im Wasser befindet. Schon seit über 100 Jahren können Spaziergänger bei ihrem Anblick der Fantasie freien Lauf lassen. Der Nök, ein Fabelwesen, das in etwa aussieht wie ein Wassermann mit großen Glubschaugen, beugt sich über eine kleine Mauer. Dahinter liegt ein nacktes Mädchen, das schläft oder vielleicht ohnmächtig ist. Heute erfreu ich mich allerdings viel mehr als an der Plastik selbst an den zwei Entenfamilien mit etwa 10 Küken, die sich rund um den Nök tummeln. 

Der Nök im Karpfenteich

Wenn ihr noch nicht genug habt, dann erweitert euren Spaziergang noch um die Archenhold-Sternwarte, die zu Fuß nur wenige Minuten entfernt ist. Die größte und älteste Volkssternwarte Deutschlands besitzt das weltweit längste bewegliche Linsenfernrohr und die Dauerausstellung im Inneren ist normalerweise kostenlos zugänglich. Da die Sternwarte momentan coronabedingt noch geschlossen ist, werde ich dort aber erst beim nächsten Besuch hingehen. Und wer das Getümmel nicht scheut, der kann sich zum Abschluss am Hafen ja noch ein Fischbrötchen mit Blick aufs Wasser und das schicke Stralau gönnen.